One fits all: Die Einheits-Matratze für alle?

BlogBild -©Matratzenfachverband-e.V

Ein Kommentar zur schönen neuen Matratzenwelt von Jürgen Körner, Autor des Buches “Kraftquelle Schlaf

Ein Autotyp mit einheitlicher PS-Klasse, ein Haarshampoo, eine Hautcreme, eine universelle Hose, ein Einheitshemd, ein Kissen, eine Bettdecke, ein Laufschuh oder ein leckeres Essen für alle? Wie soll das gehen und funktionieren? Es ist einfach völlig unlogisch und absurd.
Aber genau das wollen die neuen Start-Ups im Matratzenmarkt ihren Kunden als Erfolgsgeheimnis nahelegen.

Das Problem mit One-fits-all-Matratzen kurz und knapp auch auf YouTube:

Werden die unterschiedlichen Körpertypen bedient? Nein!

Dabei gibt es doch so viele unterschiedliche Körpergrößen, Rückenformen, Gewichtsklassen, Körpertypen, Schlaftypen, Klimabedürftige, Rückenbeschwerden, Krankheitsbilder oder einfach die unterschiedlichsten Liegebedürfnisse, persönliche Anforderungen und Liegegefühle für ein gutes Bett und eine wirklich rückengerechte Matratze.
Die neuen Online-Anbieter haben dabei wohl das Rad neu erfunden und festgestellt, es gibt nur ihre eigene neue Matratze, die für alle passt. So einfach machen die sich das. Es entspricht aber nicht der Realität und den Erkenntnissen der Ergonomie, Orthopädie und Schlafforschung. Das wird dabei einfach ignoriert. Die Kundschaft wird mit 100 Tage Probeschlafen umworben und der Wettkampf im Internet und auf allen Kanälen der Medien ist eröffnet. Welche One-Fits-All-Matratze wird also jetzt zum Siegertyp gekürt und für alle Menschen dauerhaftes Schlaf- und Liegeglück garantieren?





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wundermatratzen (1) Eine typische One fits all – Matratze

Die unglaubwürdigen Versprechen der Shops

Als Betten- und Schlafexperte macht man sich zu solchen Matratzentypen und Start-Ups schon seine Gedanken und kann deren Logik in keinem Fall fachlich, medizinisch und überhaupt nachvollziehen. Wie soll denn ein 130 kg schwerer Hüne mit 195 cm Körpergröße und einem massiven Kreuz auf ein und derselben Matratze genauso glücklich schlafen und rückengerecht gebettet sein, wie seine kleine zierliche Frau mit 54 kg und 162 cm Körpergröße, mit breitem Becken und einer Wespentaille?

Das zumindest behaupten auf meine telefonische Nachfrage die freundlichen Kundensupporter von Casper, Muun, Eve, Bruno, Simba, Felix und Co. auch felsenfest bei meinen Testanrufen.

Na, wenn es denn so einfach ist, bräuchte ich als Bettenexperte nicht mehr die unterschiedlichsten Bettsysteme, Matratzen, Unterfederungen, Bettdecken und Kissen auf Herz und Nieren zu testen und dann in meinem Fachgeschäft anbieten. Dann könnte ich meine ausführliche Betten-, Liege- und Schlafanalyse einstampfen, Fachinformationen auf ein Minimum von vielleicht 10 Minuten reduzieren und mir ein schönes Berufsleben machen. Dann erspare ich mir die vielen Betten- und Liegefachberatungen, das individuelle Einstellen der Unterfederungen, das Ausmessen der Kunden und die ganze Nachbetreuung.
Aber so funktioniert es eben nicht. Und schon gar nicht mit einer Matratze für alle.





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Warum die individuelle Beratung wichtig ist

Ein rückengeschädigter Mann mit drei Bandscheibenvorfällen im Halswirbelsäule- und Lendenwirbelsäule-Bereich braucht ebenso eine individuelle Bettausstattung, sprich Nackenstützkissen, Matratze und Unterfederung wie eine rückengesunde Frau, die anatomisch völlig anders gebaut ist und damit ganz andere ergonomische oder sogar klimatische Anforderungen an ihr Bett hat.
Weitere Infos, warum es wirklich auf die persönliche Beratung ankommt, gibt es auch hier.

Mein fachliches Fazit zur Einheits-Matratze

One-Fits-All-Matratzenanbieter wollen einfach nur ihr „geniales“ Firmenkonzept umsetzen und beim Endverbraucher damit punkten. Dabei haben sie Umsatzplanungen in millionenfacher Höhe im Visier, kritisieren in ihren Werbeaussagen zu Unrecht den stationären Bettenfachhandel, da sie nach eigenen Werbeaussagen „den Zwischenhändler überspringen und eine ehrliche Matratze zu einem fairen Preis anbieten“ (Zitat) und gehen den Weg des geringsten Widerstands. Hauptsache erst mal Umsatz gemacht.

Und wenn es dann eben nicht passt, nimmt man die Matratze mangels Alternativen halt wieder zurück. Mit einer Einheits-Matratze für alle nehmen diese Anbieter nicht wirklich Rücksicht auf alle notwendigen orthopädischen, anatomischen, ergonomischen, klimatischen und individuellen Anforderungen der Schläfer. Würden diese Hersteller ihre Rücklaufquoten veröffentlichen müssen, dann sähe die Einheits-Matratzen-Welt wieder ganz anders aus!

Jürgen Körner

Jürgen Körner

Ein halbes Leben lang befasst sich Jürgen Körner schon mit dem Thema Schlaf. Als Betten- und Schlafexperte hat er in dieser Zeit mehr als 15.000 Menschen zu einer besseren Liege- und Schlafqualität verholfen. Der Begründer der Sindelfinger Schlafschule gilt als Experte, was die Nacht aus Menschen macht. Mit Fachbeiträgen im Schlafmagazin, Hörfunk, bei Fachvorträgen in Betrieben, Organisationen, auf Gesundheitskongressen und in seinem neuen Buch „Kraftquelle Schlaf“ (www.kraftquelle-schlaf.de) informiert er ausführlich zum Thema Rücken- und Schlafgesundheit.